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Der Manager-Mönch
Klostergaststätte, Pension und die Brauerei auf dem Kreuzberg boomen. Aber wie passt wirtschaftlicher Erfolg mit dem Armutsideal der Franziskaner zusammen? Antworten und Einblicke bietet Bruder Johannes Matthias bei der Frühjahrstagung der Reichenhaller vor Ort – im Konvent.

 
Franziskanerbruder Johannes Matthias hat alles im Griff, auch die beiden Bernhardiner, die den fünf Mönchen im Kloster Kreuzberg Gesellschaft leisten.
   

Sie wird gefeiert wie die Auferstehung einer längst vergessenen Kult-Band: Die Kirche steht bei Jugendlichen wieder hoch im Kurs. Über eine Million Pilger lauschten im August 2005 Papst Benedikt XVI. beim Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages in Köln.

Auch Franziskanerbruder Johannes Matthias Tumpach hat gemerkt, dass es immer mehr junge Leute mit Wallfahrten zum Kloster Kreuzberg zieht. Der ehemalige Steigenberger Hotelfachschüler leitet die Gäststätte, eine preiswerte Pension mit 90 Betten und die Brauerei des Konvents, das 1692 auf der höchsten Erhebung der fränkischen Rhön gegründet wurde. Mit den fünf Mönchen, die dort noch leben, wäre der Betrieb nicht zu schaffen. Rund 60 Mitarbeiter halten den Laden in Schuss. Immerhin strömen innerhalb von zehn Monaten jährlich 600.000 Gäste ins Kloster.

Best besuchtes Lokal der Region
„Sie ziehen weniger zum Kreuze als zum Krug“, sagt der Geschäftsführer.
Und in dem Krug scheppert es auch mal. Der 42-Jährige hat schon einige Schlägereien resolut beendet. Gegen eindeutige Avancen weiblicher Gäste, wenn er in Zivil am Ausschank steht, wappnet sich der smarte Kirchenmann mit einer einfachen Methode: Er entschuldigt sich kurz und taucht dann in Mönchskutte wieder auf. Das garantiert prompte Ernüchterung.

Die Klosterklause gilt als best besuchtes Lokal in der Region. Kein Wunder, dass manche Wirte in der Gegend neidisch auf die Brüder sind. Rund 8.500 Hektoliter Märzen, Pils und Weizen brauen sie jährlich auf dem Kreuzberg. Einst war das nahrhafte Getränk zur Stärkung müder Wallfahrer gedacht. Inzwischen verschwinden davon 3.000 Hektoliter in den Kehlen der Besucher und der Rest wird direkt ab Kloster in Fässern oder wieder
verwertbaren Flaschen verkauft.

Ganz schön geschäftstüchtig. Wie passt das mit dem Armutsideal der Franziskaner zusammen? Das ist eine der Fragen, der sich vom 3. bis 5. April die Teilnehmer der Reichenhaller Frühjahrstagung auf dem Kreuzberg widmen. Wer sich dazu anmeldet, hat zum ersten Mal die Gelegenheit, das Leben hinter diesen Klostermauern erkunden, die Ordensgeschichte und den Betrieb kennen zu lernen, Bierverkostung inklusive. Der Kreuzberg ist nun mal kein klassisches Exerzitienkloster, sondern ein Wirtschaftskloster, das sich selbst trägt und mit seinen Gewinnen andere Franziskanergemeinschaften und Missionare in Südamerika unterstützt. Während es in vielen Konventen das ganze Jahr über für Gäste die Möglichkeit gibt, sich für einige Tage ins Kloster zurückzuziehen, beschränkt sich dieses Angebot auf dem Kreuzberg auf die Zeit von November und Weihnachten.

„Glaube ist gut, Kontrolle ist besser“
Kirchlicher Hintergrund und wirtschaftliches Denken müssten sich nicht ausschließen, weiß Bruder Johannes Matthias. Er hat gelernt: „Glaube ist gut, Kontrolle ist besser.“ Vom seinem Schreibtisch aus behält er den Überblick. Im wahrsten Sinne des Wortes: Per Video überwacht er den Innenraum der Kirche. Sieht er auf dem Bildschirm, dass sich jemand am Inventar vergreift, „dann kann ich auch schon mal per Lautsprecher eingreifen“, sagt er amüsiert. Gebet, Management und Menschlichkeit gehören für ihn zusammen. Der Kreuzberg soll auch künftig ein Wallfahrtsort bleiben.

Gastronom, das wäre für eine berufliche Alternative gewesen, weiß Bruder Johannes Matthias heute. Aber damals tobte in ihm ein Kampf. Ein Kampf gegen die innere Berufung, der er schließlich doch folgte. Das sechste Kind einer Pfaffenhäuser Familie begann nach der Schule eine Lehre zum Maschinenschlosser. Doch irgendwann habe er gemerkt, dass ihm etwas fehlt. Er brach die Ausbildung ab, holte sein Abitur nach, trat dann in eine Gemeinschaft ein und absolvierte im Jahr darauf das Noviziat in Bad Tölz: „Ich habe das gemeinschaftliche Leben immer geschätzt.“ Sein Theologiestudium in München brach er ab, weil es nicht das Richtige für ihn gewesen sei. Danach meldete er sich auf dem Kreuzberg. Der damalige Guardian, Pater Alexander Weissenberger, konnte ihn gut gebrauchen und baute ihn nach und nach zum Geschäftsführer auf. Das Rüstzeug holte sich Bruder Johannes Matthias auf der Steigenberger Hotelfachschule in Bad Reichenhall. Seine Praktika absolvierte er bei der Raststätte Würzburg Nord und als Geschäftsführer im Nürnberger Traditionslokal „Bratwurst Röslein“. Auch aus der Klosterschenke sind deftige Speisen wie Schälrippchen, Eisbein und Schweinebraten nicht wegzudenken. „Das erwarten unsere Gäste“, sagt der Bruder.

Auf einen Mönch zu treffen, der leidenschaftlich gerne Zigarren raucht, ist ungewöhnlich. Das kennt man im Allgemeinen von Wirtschaftsbossen in Nadelstreifenanzügen, als klischeehaftes Bild wie sie in Clubsesseln sitzen und Cohibas paffen. „Früher war es für Franziskaner typisch, Zigarre zu rauchen“, sagt der Ordensmann, der in seiner Freizeit Laufenten züchtet. Das dürfte nun wirklich weniger typisch sein.

Micaela Buchholz

Frühjahrstagung: Informationen und Kontakt über www.reichenhaller-vereinigung. com oder beim Kloster Kreuzberg www.kreuzbergbier.de

 
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