Auf der Reise zu sich selbst
Wer in der Hotellerie Karriere machen will, den zieht es in die Fremde. Alles ist neu, jedesmal wenn es auf dem Karrieretreppchen nach oben geht: Stadt, Job, Freunde. Der ständige Wechsel ist schön und manchmal stressig. Netzwerke helfenden Berufsnomaden, während der häufig wechselnden Stationen nicht den Halt zu verlieren.
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Schöne Grüße aus Dubai:
Früher waren die Schwestern Patrizia Mayer (l.) und Stephanie Landerer vom Insel-Hotel in Heilbronn selbst auf Wanderschaft. Jetzt bekommen sie Post von einem ehemaligen Mitarbeiter, den es nach Dubai zog |
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Nur die Fremde prägt den Menschen. „Den Satz hat meine Großmutter immer gesagt“, erinnert sich Stephanie Landerer, nimmt einen Schluck Rotbusch-Tee und schaut durch das Fenster aufs Wasser. Sie arbeitet auf einer kleinen Insel. Nicht irgendwo in der Karibik. Ihr Eiland liegt am alten Neckararm in Heilbronn. Ihr Großvater kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Brasilien zurück in seine völlig zerstörte Heimatstadt. Auf dem Fleckchen Erde mitten im Fluss baute Willy Mayer nach und nach sein Insel-Hotel auf. Später übernahmen Sohn Hans-Georg Mayer, ein ehemaliger Reichenhaller, und seine Frau Gisela das Steuer. Inzwischen sitzen die Töchter Stephanie Landerer und Patrizia Mayer mit im Boot.
„Es war von Anfang an klar, dass wir mal im Hotel mitarbeiten werden“, sagt Stephanie Landerer, „aber wie will man Gäste aus aller Welt begrüßen, wenn man noch nie in aller Welt war?“ Beide Töchter machten ihre Hotelfach-Ausbildung fernab von Heilbronn. Die Ziele wählte jede nach persönlichen Interessen aus. Patrizia bevorzugte Urlaubsgebiete am Meer, den Winter verbrachte sie aber in Davos. Wenn sie nicht im Hotel war, wedelte sie über die Ski-Pisten. Der perfekte Ausgleich.
Stephanie arbeitete lieber in Business-Hotels internationaler Ketten in europäischen Metropolen. Ob sie nach London ging oder Paris, die Eltern schafften ihr immer ein kleines Netzwerk aus Freunden oder Bekannten – und wenn es nur ein Ansprechpartner war: Dort konnte man andocken.
Als sie nach Paris kam, nahm sie sich vor, sofort nach der Ankunft zum Eiffelturm zu laufen: „Ich sagte mir: Ich mach' das jetzt und wenn ich den Koffer hinter mir her schleife. Das sind Momente, die kann einem später keiner mehr nehmen.“
In Paris war sie nur eine Nummer in einer großen Stadt
Dennoch: Das erste Jahr an einem neuen Ort, selbst in der Stadt der Liebe, sei immer das Schlimmste. „In Heilbronn war ich immer ,die kleine Mayer'.“ In Paris war die Mademoiselle aus Deutschland „nur eine Nummer in einer großen fremden Stadt“. Sie wohnte nicht so komfortabel wie daheim, die Behördenrennerei, Kontoeröffnung und dergleichen nahm einem natürlich auch keiner ab. Aber im Hotel habe sie sich in einem Team von Gleichgesinnten wieder gefunden. Und wenn es mal nicht so klappte mit den Kollegen, musste sie auch mal mit dem Alleinsein klarkommen. „Man darf sich nicht an die anderen Einsamen klammern. Das bringt einen nicht weiter“, rät Stephanie Landerer. Drei Jahre habe es gedauert, sich in Paris ein soziales Umfeld zu schaffen. „Das ist ein tolles Gefühl, wenn man sich etabliert hat“, sagt die Hotelière. Und danach geht es meistens gleich weiter zum nächsten Job in einer anderen Stadt, einem anderen Land oder einem anderen Kontinent.
Wichtig sei, nicht das erstbeste Angebot zu nehmen. Man müsse sich eine Strategie überlegen, die zu den eigenen Neigungen passt. „Ich kann mich nicht auf den Ostfriesischen Inseln bewerben, wenn ich jeden Tag Party brauche“, sagt Stephanie Landerer.
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Clever und smart: der junge Direktor des Weinromantikhotel Richtershof im beschaulichen Mülheim an der Mittelmosel.
Viele Einheimische sehen in Armin Hoeck eine
Respektsperson. Freundschaften bahnen sich etwas langsamer an als woanders |
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Und wie wäre es mit einem Hotel haarscharf an der Grenze zu Ostfriesland? Armin Hoeck hatte kein Problem damit. Er packte die Koffer und übernahm in der „Alten Werft“ in Papenburg den Posten als Restaurant- und Gastronomieleiter. Der gebürtige Marburger war aber auch in Oberbayern und im Schwarzwald, entwickelte eine Vorliebe für rivathotels der Spitzenklasse. Dass man sich deshalb nicht automatisch immer Spitze fühlt, ist eine Erfahrung, die niemandem im Berufsleben erspart bleibt. Auch Hoeck traf manchmal auf Strukturen, die es erschwerten, sich zu integrieren, so sehr er es versuchte. Natürlich sollte man nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, wenn man nicht überall mit offenen Armen und voller Begeisterung empfangen wird, sagt der Ex-Reichenhaller. Man müsse sich auch mal durchbeißen, dürfe nicht zu früh aufgeben.
Aber wenn man sein Bestes gegeben hat und gar nichts mehr geht: auf zu neuen Ufern. Die Perspektive auf einen Neuanfang mobilisiert ungeahnte Kräfte und motiviert. Das Wanderleben entwickelt sich als Reise zu sich selbst. „Man ist eine Respektsperson. Das baut Hemmschwellen auf.“
Es hat sich gelohnt. Inzwischen ist der 31-Jährige Geschäftsführender Direktor des Weinromantikhotels Richtershof, einem schmucken Vier-Sterne-Superior-Haus in Mülheim an der Mittelmosel.
Mit frischem Wind, aber den örtlichen Traditionen des Weinbaus verbunden, ein Vorzeige-Objekt, mit dem sich auch die rheinland-pfälzische Landesregierung gerne schmückt. Das macht den Hotelchef zu einem gern gesehenen Gast bei gesellschaftlichen Anlässen. Das Örtchen Mülheim selbst liegt so versteckt, dass der Weinromantikhof fast noch als Geheimtipp gelten kann, an dem sich Wirtschaftsbosse unbeobachtet treffen und die Mitglieder des Rolls-Royce-Club ihrem Hobby frönen können und das Anwesen im Country-Style, die liebliche Landschaft und die Abgeschiedenheit vom Mainstream genießen. Aber wie findet man hier Freunde? Als junger Direktor? „Man ist für viele eine Respektsperson, das sorgt bei manchen für eine gewisse Hemmschwelle“, gibt Hoeck zu. Aber er hat gelernt, leicht Kontakte zu knüpfen. „Es gibt jedoch auch Leute, die versprechen sich Vorteile, wenn sie einen kennen“, fügt er hinzu.
Das könne manchmal enttäuschend sein, aber letztlich sei niemand davor gefeit. „Je weiter man sich entwickelt, desto leichter fällt es, mit schwierigen Situationen umzugehen. Man bekommt ein dickeres Fell, ist nicht so leicht angegriffen, wie jemand der noch am Anfang steht“, sagt der Hotelchef.
Umso wichtiger sei es, alte Kontakte zu pflegen. Hoeck telefoniert nachts um halb zwei mit einem Freund und ehemaligen Kollegen in Köln. Vorher ist ja keine Zeit. Gegolft wird nur am Vormittag, dann ist der Platz schön leer. Nicht zu vergessen, sein Engagement im Vorstand der „Vereinigung ehemaliger Hotelfachschüler Bad Reichenhall“, sozusagen Kontaktpflege in Amt und Würden.
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Für Gregor Lemke ging's um die Wurst. Dafür riskierte der 43-Jährige auch eine Beziehung. Bereut hat er es nicht. Sein „Bratwurst Röslein“ in Nürnberg blüht und gedeiht. |
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Stephanie Landerer und ihr Mann, der beruflich viel unterwegs ist, vereinbaren mit Freuden ein, zwei Kurzurlaube im Jahr, um die Kontakte wieder aufzufrischen. Feste Termine, auf die man sich freuen kann. Paare, bei deneno einer oder beide im Gastgewerbe arbeiten, haben es nicht einfach.
Für Gregor Lemke hatte in einem entscheidenden Moment die Karriere Vorrang. Als er vor einigen Jahren nach Nürnberg ging und 6,5 Mio. Euro in den Traditionsbetrieb Bratwurst Röslein investierte, blieb seine Freundin in München. „Mir war bewusst, dass die Beziehung zum Opfer fallen könnte. Das Risiko bin ich eingegangen“, sagt der ehemalige Reichenhaller. Die ersten zwei Jahre habe er sieben Tage die Woche 14 Stunden gearbeitet. „Irgendwann schaffte ich diesen Spagat nicht mehr“, sagt Lemke. Er machte Schluss. Inzwischen ist der 43-Jährige verheiratet und Vater eines Sohnes.
Micaela Buchholz |